Jemand findet ein altes Motorrad in einer Scheune, einer Garage, dem Schuppen eines verstorbenen Verwandten, und der erste Instinkt ist immer derselbe: Sprit rein und auf den Anlasser drücken. Genau dieser Instinkt macht aus einem Motorrad, das einen Nachmittag Aufmerksamkeit gebraucht hätte, eines, das einen neuen Motor braucht. Die Reihenfolge, in der man hier vorgeht, ist wichtiger als fast alles andere.

Bevor man Kraftstoff oder Anlasser anfasst
Zuerst auf Tiernester prüfen - Mäuse lieben einen Luftfilterkasten, und ich habe schon wirklich beeindruckende Mengen Nistmaterial aus Motorrädern gezogen, die von außen völlig in Ordnung aussahen. Reifen auf Risse, Ausdörrung oder Standplatten durch jahrelanges Stehen in derselben Position prüfen, und Bremsleitungen und Schläuche auf dieselbe Brüchigkeit kontrollieren.
Das Kraftstoffsystem kommt als Nächstes, und das ist nicht optional
Benzin beginnt sich innerhalb von etwa dreißig Tagen zu zersetzen, und altes Benzin, das ein Jahr oder länger gestanden hat, sollte man einfach ablassen und ersetzen, nicht durch den Motor laufen lassen. Vergaserschwimmerkammern abnehmen und jeglichen Lack oder Gummiablagerungen entfernen, bevor man überhaupt an frischen Kraftstoff denkt, denn frisches Benzin durch einen verharzten Vergaser zu drücken verschiebt das Problem nur, statt es zu lösen.
Den Motor freimachen, bevor man ihn zum Laufen bittet
Zündkerzen herausnehmen
Eine kleine Menge Öl in jeden Zylinder sprühen, um Kolbenringe zu schmieren, die möglicherweise jahrelang trocken an der Zylinderwand anlagen.
Motor von Hand durchdrehen
Mit einem Schlüssel an der Kurbelwelle oder am Hinterrad im Gang bestätigen, dass sich alles frei dreht, bevor Anlasser oder Kickstarter überhaupt ins Spiel kommen. Widerstand hier bedeutet: stoppen und nachforschen, nicht stärker drücken.
Erst ohne Zündkerzen durchdrehen
Ein paar langsame Umdrehungen mit dem Anlasser, während die Zündkerzen noch draußen sind, bringt Öl durch das System, bevor Verdichtung und Zündfunke wieder ins Bild kommen.
Alles andere, was man leicht vergisst
- Batterie: davon ausgehen, dass sie ersetzt werden muss, wenn das Motorrad mehr als ein oder zwei Jahre gestanden hat, und einer alten Blei-Säure-Batterie, die vollständig entladen war, niemals trauen.
- Bremsflüssigkeit und Kühlmittel: beide zersetzen sich mit der Zeit auch im Stillstand, und alte Bremsflüssigkeit, die Feuchtigkeit aufgenommen hat, ist ein echtes Sicherheitsproblem, keine Wartungsnebensächlichkeit.
- Verkabelung: auf dieselben Nagetierschäden prüfen, die man schon im Luftfilterkasten gesucht hat - ein angenagtes Kabel ist ein häufiger, völlig unsichtbarer Grund dafür, dass nichts Elektrisches funktioniert.
- Öl: vor dem ersten echten Start wechseln, auch wenn es in Ordnung aussieht, da stehendes Öl sich trennt und einen Teil seiner schützenden Eigenschaften verliert.

Erst jetzt versucht man zu starten
Mit wieder eingesetzten Zündkerzen, frischem Kraftstoff in einem gereinigten Vergaser, gewechseltem Öl und einem bereits von Hand als frei laufend bestätigten Motor ist das Starten fast ein Antiklimax. Springt er trotzdem nicht an, hat man die meisten üblichen Verdächtigen bereits ausgeschlossen, was die Suche nach dem Rest deutlich schneller macht.





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